Berliner ImpulsE

Jan Pohle, Dr. Ralf Weiß

Digitale oder grüne Transformation?

Warum die Gründerhauptstadt Berlin nicht bei allen Gründungstrends die Nase vorne hat


Gründungsintensitäten einzelner Bundesländer: Gründungen auf 10.000 erwerbsfähiger Eniwohner.

Vorabdruck von Daten aus dem noch unveröfffentlichten Green Economy Gründungsmonitor 2015 des Borderstep Instituts.

Von der Gründerhauptstadt Berlin zu sprechen, scheint derzeit begründeter zu sein, als je zuvor. Denn das Selbstverständnis der Wirtschaftstreibenden und Innovatoren in der deutschen Bundeshauptstadt wird seit Jahren mit den entsprechenden Zahlen untermauert. Der KfW-Gründungsmonitor 2015 belegt: Berlin ist seit Langem die Stadt mit den meisten Gründungen bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen. Doch stimmt das Kräfteverhältnis zwischen Berlin und anderen deutschen Metropolen auch für die Szene der Gründungen im Energie- und Klimaschutzbereich, also Unternehmen die in der Green Economy zuhause sind?

Nach den vom Berliner Borderstep Institut für den Green Economy Gründungsmonitor erhobenen Daten zeigen vor allem Hamburg und Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren bei Gründungen in den Bereichen Klimaschutz und erneuerbare Energien eine höhere Dynamik. Liegt Berlin einerseits mit 47,9 Betriebsgründungen pro 10.000 Erwerbstätigen mit deutlichem Abstand auf dem ersten Platz der Gesamtgründungsstatistik, nimmt die Hauptstadt bei Gründungen im Energie- und Klimaschutzbereich mit 5,5 Gründungen pro 10.000 Erwerbstätiger im Bundesländervergleich andererseits nur einen sechsten Rang ein. Daraus ergibt sich die Frage, ob Berlin zu wenig Unterstützung für Energiegründer und Start-ups im Bereich der grünen Transformation der Wirtschaft bietet. Denn während beispielsweise IT-Gründungen ein gerne genutztes Aushängeschild sind, agiert die grüne Gründerszene eher in der zweiten Reihe.

Wichtige Inkubatoren, Förderer und wissenschaftliche Einrichtungen gibt es in der Hauptstadt dennoch zur Genüge. Mit dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof und der Green Garage des Climate-KIC auf dem EUREF-Gelände gibt es durchaus gezielte Anlaufstellen für „Energie“-Gründer. Auch das Gründerzentrum der TU Berlin und zukünftig verstärkt die Humboldt Universität bieten Gründern bei Themen wie Energieeffizienz, grüne Mobilität oder Green IT gute Förderung und Beratung. Ein fester Termin für Investoren in Umweltinnovationen und Umwelttechnik ist zudem bereits seit einigen Jahren der jährlich stattfindende Ecosummit.

Auch mangelt es nicht an einzelnen Initiativen und Aktivitäten der Spezialisierung der Gründungsförderung für Unternehmen der Energie- und Klimaschutzbranche. Der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg zeichnet als einer von wenigen regionalen Wettbewerben Gründungen mit einem Sonderpreis „Nachhaltigkeit“ aus. Der Energieclus­ter bemüht sich aktuell um eine stärkere Einbeziehung von Gründungen. Und das privat betriebene Gründungszentrum Green Alley organisiert einen internationalen Wettbewerb für Gründungsideen im Bereich der Kreislaufwirtschaft. Und dennoch: Weder national noch international ist Berlin bisher ein Aushängeschild für Start-ups der Green Economy.

Nach Einschätzung der IHK Berlin sei die Hauptstadt zwar ein starker Standort der Green Economy und dies gelte auch für Start-ups. Die Rahmenbedingungen für grüne Gründungen seien sehr gut und Unternehmensgründer profitierten dabei besonders von der exzellenten Berliner Hochschullandschaft. Trotzdem kritisiert Hauke Dierks, Umwelt- und Energieexperte der IHK Berlin, dass für Start-ups mit ingenieurstechnischer Ausrichtung noch technologiespezifische Angebote fehlten. In den Hochschulen sei dafür noch eine stärkere Fokussierung auf Start-ups in den Bereichen Umwelt- und Energietechnik vor und nach den Ausgründungen notwendig. Acceleratoren und Inkubatoren ließen bisher meist ausreichend Angebote für ingenieurstechnische Unternehmen vermissen, in denen Entwicklungsvorhaben auch technisch realisiert werden könnten, wie beispielsweise Prüfstände, Reinstlabore oder Testflächen.

Im Vergleich mit Hamburg oder Leipzig verfügt Berlin auch nicht über große Messen, die  sich speziell neuen Energien oder Umwelttechnologien widmen. Einen guten Anlaufpunkt für die Vorstellung neuer Produkte und Innovationen finden Gründer aus der Green Economy allerdings auf den Berliner Energietagen. Dort findet im Rahmen des ImpulsE-Programms der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt seit 2011 das Innovations- und Gründerforum für Energieeffizienz und Klimaschutz statt. Hier hat beispielweise die eZeit Ingenieure GmbH ihr Speicher- und Versorgungskonzept erstmals öffentlich vorgestellt, das inzwischen zum Kernstück des bundesweit beachteten energetischen Sanierungsprojektes der Märkischen Scholle e.G. geworden ist. Und auch in diesem Jahr steht ein breites Feld von sieben vielversprechenden Jungunternehmen im Gründerforum am Start: So beispielsweise die Coolar GmbH, die Kühlschränke mit Wärme anstatt mit Elektrizität kühlt und mit ihrem Konzept bereits im Halbfinale des StartGreen Awards stand. Oder die GreenPack GmbH, die ein Wechselakkusystem für die Nutzung im Haus sowie für elektrische Leichtfahrzeuge konzipiert hat.

Es bleibt zu hoffen, dass schon bei den Berliner Energietagen 2016 ein „Energie“-Gründer aus Berlin die nächste große Gründerstory für die grüne Transformation schreibt.

 

Jan Pohle
Berliner ImpulsE, c/o EUMB Pöschk
pohle[at]eumb-poeschk.de

Dr. Ralf Weiß
Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit
weiss[at]borderstep.de


Veranstaltungshinweis zum Thema auf den Berliner ENERGIETAGEN 2016:
11. April, 14:30 – 18:00 Uhr: "Innovations- und Gründerforum: Energieeffizienz und Klimaschutz" (2.07)