Berliner ImpulsE

06.11.17 Nachricht Forschung & Innovationen

Studien zur Erderwärmung veröffentlicht

Analysen warnen vorm Verfehlen der Reduktionsziele

Zwei kürzlich veröffentlichte Studien der UN und der Stanford-Universität zweifeln die Erreichung der Pariser Klimaschutzziele und die Finanzierbarkeit einer internationalen Energiewende an. Die Pariser Klimaschutzziele lassen sich nach Einschätzung der UN selbst bei Einhaltung aller Klimaschutzzusagen nicht einhalten. Das zeigt der UN Environment „Emissions Gap Report 2017“. In einer weiteren Studie haben Forscher der Stanford-Universität die in Paris vereinbarten Ziele einer Begrenzung der Erderwärmung hinsichtlich der internationalen Finanzkapazitäten analysiert und hegen Zweifel an der Umsetzbarbarkeit der notwendigen Maßnahmen.

Nach Aussage des UN-Berichts wird sich die Erderwärmung auch bei Einhaltung der Klimaschutzzusagen aller Länder im Vergleich zur vorindustriellen Zeit um mindestens drei Grad erhöhen. Wenn die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzt werden soll, wäre das CO₂-Budget für den Rest des Jahrhunderts bei gleichbleibenden Klimaschutzzielen bereits bis 2030 zu 100 Prozent aufgebraucht, bei einem Zwei-Grad-Ziel zu 80 Prozent.

Der Report zeigt zudem konkrete Wege, wie Länder kostengünstig CO₂ einsparen können: Erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz, Aufforstung und Vermeidung von Waldzerstörung könnten mit geringen Kosten umgesetzt werden oder sogar Gewinne bringen.

Die Forscher aus Stanford kommen in ihrer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass eine Erreichung des 2-Grad-Ziels theoretisch zwar nach wie vor möglich sein kann, allerdings realistisch kaum umsetzbar ist.

Die Studie betrachtet hierbei vor allem die Kosten einer internationalen Energiewende sowie verfügbare Finanzmittel und setzt diese ins Verhältnis zu Investitionsrisiken in diesem Bereich. Grundsätzlich geht die Untersuchung davon aus, dass zur Einhaltung der 2-Grad-Grenze im Jahre 2100 die Investitionen in die Energiewende unmittelbar mindestens verdreifacht werden müssten. Hiervon ausgehend werden dann drei Grundprobleme identifiziert.

Erstens gäbe es ein quantitatives Problem: Eine Verdreifachung der Investitionen würde einen „maßgeblichen Anteil“ des überhaupt global zur Verfügung stehenden Investitionskapitals binden. Hinzu käme als qualitatives Problem die „Hochrisiko-Natur“ der meisten Clean-Energy-Projekte. Dies ist ein Investitionshindernis für institutionelle Investoren, die eher konservativ mit Risiken umgehen. Diese verfügen jedoch über den Großteil des global verfügbaren Kapitals. Drittens gäbe es eine Diskrepanz zwischen jenen Nationen, die das Kapital halten – vornehmlich OECD-Nationen – und jenen Ländern, in denen zur Klimaziel-Erreichung investiert werden müsse, die sogenannten Entwicklungsländer.

Diese Kombination aus Kernproblemen mache die Erreichung der Klimaziele – wirtschaftlich gesprochen – zu einer außerordentlichen Schwierigkeit.

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