Berliner ImpulsE

Berliner Energieberatung in wirtschaftlich schwierigem Fahrwasser

Die EUMB Pöschk hat sein breites Energieberater-Kooperationsnetzwerk im Rahmen einer Umfrage zum Thema Energieberatung in Berlin aktiviert – mit beachtlicher Resonanz.

Insgesamt haben 212 Berliner Energieberater an der im Juli bis September 2019 laufenden Umfrage teilgenommen. Damit dürfte sich über die Hälfte der in Berlin tätigen Energieberater beteiligt haben. Die sog. „dena-Expertenliste“ verzeichnet gut 300 Einträge für Berlin. Somit hat die durchgeführte Befragung durchaus repräsentativen Charakter.

Die Kernergebnisse der Befragung lassen sich – salopp formuliert – wie folgt zusammenfassen:
Energieberater sind alte Hasen, die als Einzelkämpfer in einem weitgehend stagnierendem Markt agieren, der wirtschaftlich nicht sonderlich attraktiv ist. Energieberater sehen für sich einen hohen Bedarf an Vernetzung untereinander.

Wer sind die Berliner Energieberater eigentlich? Auffällig ist hier, dass zwei Anbietergruppen dominieren. Architekten und Planer stellen gut 42 Prozent der Umfrageteilnehmer dar, was wenig überrascht. Erstaunlich ist vielmehr auch der offensichtlich hohe Aktivitätsgrad der Schornsteinfeger im Bereich Energieberatung, die rund 35 Prozent (75 Teilnehmer) der Befragungsteilnehmer (bei dieser Frage 212) stellen. Bei rund 220 Berliner Kehrbezirken  deutet die Zahl darauf hin, dass mindestens jeder dritte Schornsteinfeger im Energieberatungssektor aktiv ist. Die Anteile der Teilnehmer aus Handwerk (6,5 Prozent), Energie- und Immobilienwirtschaft (je ca. zwei Prozent) fallen dagegen auffallend gering aus.

„Alte kleine Hasen“ – wenig Newcomer: 85 Prozent der Teilnehmer sind seit mehr als fünf Jahren in der Energieberatung aktiv, lediglich zwei Prozent sind weniger als zwei Jahre tätig. 75 Prozent der Befragten geben ihre Betriebsgröße mit 1-3 Personen an.

Die Geschäftsentwicklung wird vorsichtig positiv beurteilt. Hierbei spielen Sanierungsfahrpläne (noch) keine besondere Rolle.

Die Kundengruppen gestalten sich im Endkundenbereich vergleichsweise vielschichtig und ausgewogen. Hier werden Ein- und Mehrfamilienhäuser zahlenmäßig relativ ausgewogen bedient. Sowohl die Kundengruppen aus Industrie und Gewerbe als auch aus öffentliche Einrichtungen sind quantitativ relativ gering vertreten. Hier kann aber davon ausgegangen werden, dass die spezifische Umsatzgröße je Beratungsfall deutlich höher liegt, so dass sich ein direkter Rückschluss von der Fallzahl auf die wirtschaftliche Bedeutung verbietet.

Interessant ist die unerwartet hohe Bandbreite der angestrebten Beratungsziele. Diese reichen von umfassender energetischer Modernisierung über Einzelmaßnahmen bis hin zu Verhaltensänderungen.

Auch bei der Initiierung von Kundenkontakten gibt es offensichtlich eine große Spannweite. Auffällig ist hier die doch beachtliche Bedeutung der „Expertenliste“, auf die offensichtlich knapp ein Drittel der Kundenkontakte zurückgeht.

Es kann vermutet werden, dass die vergleichsweise hohe Bedeutung der „Expertenliste“ mit dem offensichtlich großen Bedarf an Vernetzung korrespondiert. Rund zwei Drittel der Befragten befürworten eine Vernetzung der Energieberater untereinander. Diese noch im Detail zu untersuchende Aussage deutet darauf hin, dass es offensichtlich ein Bedürfnis nach Vernetzung im Bereich des Marktauftritts und der Kundenakquisition zu geben scheint.

Darüber hinaus hat sich in der Netzwerkarbeit der EUMB Pöschk ein hoher Bedarf an fachlichem Austausch der Energieberater untereinander manifestiert. Die Kernthemen reichen hier von gemeinsamen Marktauftritten, dem Agieren in Spezialfällen wie der Energieberatung in Milieuschutzgebieten bis hin zu Quartierskonzepten.

Ein wiederkehrendes Thema bildet hier der Umgang mit öffentlich alimentierten Beratungsangeboten und -institutionen, die im schwierigen Marktumfeld primär als „unliebsame Konkurrenz“ empfunden wird. Hier gilt es, sich produktiv über Kooperationsformen und Schnittstellen auszutauschen, um weg von kontraproduktiver Konkurrenz und hin zu positiven Synergien zu kommen. Die Autoren dieses Beitrags werden die Netzwerkbildung unter den Berliner Energieberatern im Rahmen verschiedener Projekte weiter vorantreiben.