Berliner ImpulsE

28.11.16 Nachricht Bauen und Wohnen

Klimaneutrale Stadt Berlin

Frankfurter Allee Nord: Projekt zur Energieeinsparung in Quartieren mit heterogener Struktur abgeschlossen

Wohngebäude gehören in Deutschland zu den größten Energieverbrauchern. Um Berlin wie geplant bis 2050 zur klimaneutralen Stadt zu machen, sind auf diesem Gebiet gute Ideen und konsequentes Handeln nötig. Doch wie kann das in Quartieren mit älteren Wohngebäuden und vielen unterschiedlichen Eigentümern umgesetzt werden? Dieser Frage widmete sich der Bezirk Lichtenberg mit einem Stadtumbau-Projekt. Untersucht wurden dazu zwei Blöcke im Osten des Gebiets Frankfurter Allee Nord, zwischen Frankfurter Allee, Siegfried-, Fanninger-, Gunther- und Gudrunstraße.

Die öffentliche Abschlussveranstaltung des über zweieinhalb Jahre laufenden Projekts fand am 10. November im Beisein von Stadtrat Winfried Nünthel und der Klimaschutzbeauftragten des Bezirks, Kirsten Schindler, statt. Gekommen waren interessierte Bürgerinnen und Bürger und Fachleute aus anderen Berliner Bezirken, um mehr über die Ergebnisse des Projekts zu erfahren.

2012 bis 2013 war bereits mit Fördermitteln aus dem KfW-Programm 432 ein energetisches Quartierskonzept für das gesamte Stadtumbaugebiet erarbeitet worden. Ziel des neuen Projekts war es, zu analysieren, wie der Energieverbrauch in Bestandsgebäuden konkret gesenkt werden kann, ohne die Mieter zu stark durch Modernisierungsumlagen auf die Miete zu belasten. Außerdem sollte untersucht werden, wie Eigentümer untereinander und mit den Energielieferanten und den Mietern zusammenarbeiten können, um dieses Ziel zu erreichen. Wie kann die Verwaltung gebäudeübergreifende Maßnahmen – wie zum Beispiel Rabattierungen beim gemeinsamen Einkauf oder auch die Installation gemeinschaftlich genutzter Anlagen unterstützen? Nicht alle dieser Fragen konnten abschließend geklärt werden. Doch bei einigen der 28 Eigentümer und zwei Eigentümergemeinschaften hat die umfangreiche Analyse und Beratung Anstöße gegeben, ihre Sanierungsstrategie zu überdenken.

Die beiden Büros Podlesny – Ingenieurbüro für Industrie- und Haustechnik – verantwortlich für die Bestandsaufnahme – sowie CRP Bauingenieure – verantwortlich für die Analyse – beschäftigten sich mit 17 Gebäuden, deren Eigentümer sich zu einer Projektteilnahme entschlossen hatten. Angeboten wurden auch Mieterberatungen zur Energieeinsparung. Die Eigentümer erhielten kostenlose Energiebedarfsausweise sowie eine detaillierte Bestandserfassung und Thermographie-Aufnahmen der Wärmeabstrahlung ihrer Gebäude.

Daraus wurden gebäudebezogene Energiegutachten mit dem spezifischen Energiesparpotenzial und konkrete Maßnahmenvorschläge erarbeitet. Die Einsparpotenziale variieren bei den Gebäuden zwischen 13 und 50 Prozent. Mit den zumeist als Vorzugsvariante vorgeschlagenen Teilsanierungen, z.B. der Dämmung von Brandwänden, könnten pro Jahr 183 Tonnen CO2 eingespart werden - das entspricht etwa dem Verbrauch von einhundert PKW. Nun liegt es an den Wohnungseigentümern, die eine oder andere Maßnahme umzusetzen – eine Verpflichtung dazu gibt es selbstverständlich nicht.

Das Büro STATTBAU als Mitorganisator des Projekts empfiehlt im weiteren Verlauf zu überprüfen, was sich konkret getan hat. Eine weitere Idee aus dem Projekt unterstützte auch Larissa Rensing vom Büro Urbanizers, die Erkenntnisse aus der bundesweiten Begleitforschung zu den energetischen Quartierskonzepten vorstellte. Es geht um die Idee eines "Kümmerers" vor Ort, einer Beratungsstelle, die bei praktischen Fragen der Durchführung  sowie der Finanzierung und Förderung unterstützen könnte. Zu letzterem hatte auch Ernst Saric von der Investitionsbank Berlin-Brandenburg IBB viel zu berichten: Er stellte die Fördermöglichkeiten der Bank für Investitionen in energetische Sanierungsmaßnahmen vor.

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