Berliner ImpulsE

11.08.17 Nachricht Bauen und Wohnen

Studie des Berliner Mietervereins

Modernisierungs- und Energieeinsparmaßnahmen führen zu höheren Mietkosten

Der Berliner Mieterverein fordert Änderungen im Mietrecht, um den Anstieg der Mieten einzugrenzen. Grundlage dieser Forderungen ist eine jüngst vom Mieterverein erarbeiteten Studie zur Entwicklung der Warmmieten nach erfolgten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Die Interessenvereinigung hatte für seine Kurzstudie rund 200 Modernisierungsankündigungen in Berliner Mietobjekten analysiert und festgestellt, dass sich die Heiz- und Warmwasserkosten trotz erfolgter energetischer Sanierung kaum reduziert hatten.

Durchschnittlich stiegen nach Angaben des Mietervereins die Nettokaltmieten nach Modernisierung um 2,44 Euro/qm im Monat an. Bezogen auf die durchschnittliche ortsübliche Vergleichsmiete des Mietspiegels aus dem Jahr 2015 bedeutet dies einen Anstieg um fast 42 Prozent auf über sieben Euro/qm. Die Heizkosten (-vorauszahlungen) blieben gleichzeitig allerdings nahezu konstant.

Nur in einem begrenzten Umfang der untersuchten Modernisierungen konnte ein tatsächlicher Vergleich der Heizkostenabrechnungen und damit eine Überprüfung der tatsächlichen Reduktion des Energieverbrauchs erfolgen. Dabei ergab sich eine durchschnittliche Verringerung der Kosten für Heizwärme von etwa 2,80 Euro/qm und Jahr, was für eine 70qm-Wohnung eine Ersparnis von rund 200 Euro im Jahr bedeutet. Diese Kostenreduktion steht laut Mieterverein in wirtschaftlichem Ungleichgewicht zu geschätzten modernisierungsbedingten Mietkostensteigerungen in Höhe von 1.300 Euro pro Jahr.

Nach Erkenntnissen der Studienautoren ist vor allem die Dämmung der Gebäudehülle weiterhin der Preistreiber bei den Modernisierungskosten und liegt beim rund Dreifachen der Kosten für die Erneuerung der Heizanlage und sogar beim Zehnfachen für die Fenstersanierung. Die Umstellung auf erneuerbare Energien sei in der Modernisierungspraxis weiter stark unterrepräsentiert.

Als Konsequenz aus den Ergebnissen der aktuellen Studie schlägt der Mieterverein mietrechtliche Verbesserungen vor:

  • So sollen Vermieter künftig statt jährlich elf Prozent nur noch vier Prozent der Modernisierungsinvestition auf die Mieter abwälzen können.
  • Darüber hinaus soll die ortsübliche Vergleichsmiete durch die Mieterhöhung nach Modernisierung um nicht mehr als zehn Prozent überschritten werden können.
  • Vermieter sollen gegenüber Mietern bezüglich der Einhaltung der Grundsätze von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit berichtspflichtig werden.
  • Innerhalb von acht Jahren sollen modernisierungsbedingte Mietsteigerungen maximal 1,50 Euro/qm betragen dürfen.
  • Die finanzielle Härte soll wieder bei der Duldung vom Mieter eingebracht werden können.
  • Eine Kündigung wegen Verweigerung der Duldung soll erst zwei Monate nach rechtskräftigem Duldungsurteil zulässig werden.



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