Berliner ImpulsE

07.08.17 Nachricht Energiewirtschaft und Erneuerbare

Agora Energiewende veröffentlicht Zahlen zu CO₂-Emissionen

Anstieg der Kohlendioxid-Emissionen im ersten Halbjahr 2017

Auf Basis von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen zur Entwicklung des Energieverbrauchs in Deutschland haben die beiden Think Tanks Agora Energiewende und Agora Verkehrswende Berechnungen zu den energiebedingten CO₂-Emissionen angestellt. Demnach stieg in Deutschland der Ausstoß im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp fünf Mio. t auf 428 Mio. t (plus 1,2 Prozent).

Dabei fallen die Entwicklungen der CO₂-Emissionen zwischen den verschiedenen Energieträgern unterschiedlich aus: Während die Emissionen aus Mineralöl (plus 4,6 Mio. t), Erdgas (plus 2,9 Mio. t) und Braunkohle (plus 2,3 Mio. t) zunahmen, sanken diejenigen aus Steinkohle (minus 5,1 Mio. t).

Der Anstieg der CO₂-Emissionen aus Mineralöl ist nach Angaben der beiden Organisationen ausschließlich auf den erhöhten Benzin-, Diesel- und Kerosinverbrauch zurückzuführen, da der Heizölabsatz trotz der kalten Witterung in der ersten Jahreshälfte 2017 sogar leicht gesunken ist. Die Emissionsveränderungen der Energieträger Braunkohle, Steinkohle und Erdgas ließen sich vor allem mit den Entwicklungen am Strommarkt erklären. So sei der Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen aus Steinkohle auf die gestiegene Nutzung von erneuerbaren Energien und Gas in Kraftwerken (insbesondere KWK-Anlagen) zu erklären. Außerdem kam es laut Agora Energiewende in der ersten Jahreshälfte 2017 zur Stilllegung einiger Steinkohlekraftwerke. Der Anstieg der Emissionen aus der Braunkohlenutzung sei auf die Ausweitung der Stromproduktion aufgrund einer verbesserten Kraftwerksverfügbarkeit zurückzuführen.

Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, sieht die Erreichung des Ziels der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern, gefährdet: „Die Lücke zum Klimaschutzziel von minus 40 Prozent wird nicht kleiner, sondern bleibt bei rund 150 Millionen Tonnen“, so Graichen. Um das Klimaschutzziel dennoch zu erreichen, fordert er die Auflegung eines „Sofortprogramms Klimaschutz 2020, das für Strom, Wärme und Verkehr schnell wirkende Maßnahmen enthält“.

Den größten Beitrag zum Anstieg der CO₂-Emissionen leistete mit einem Plus von fast 15 Mio. t Kohlendioxid der Verkehr. Hintergrund dafür war ein Absatzplus beim Flugbenzin von fast acht Prozent, beim Diesel von 6,5 Prozent und bei Benzin von 2,5 Prozent. Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende, macht daher auf die Bedeutung des Verkehrssektors für die Klimaschutzpolitik aufmerksam: „Wenn eine umfassende Verkehrswende kein Schwerpunkt der nächsten Legislaturperiode wird, lassen sich Deutschlands ambitionierte Klimaschutzziele nicht erreichen“, so Hochfeld.

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